Trekking in der Annapurna Region - Annapurna Circuit

Nepal

Faszination Nepal - "Trekking auf dem Dach der Welt"


Wir verbringen im April/Mai 2019 gut 3 Wochen in Nepal, gehen einen großen Teil des Annapurna Circuit, der Rund um das Annapurna Himal führt, und den deutlich kürzeren Poon Hill Trek, der in einer kleinen Runde auf den gleichnamigen Berg führt und ebenfalls ein großartiges Panorama auf das Annapurna Gebirge bietet.

Annapurna Circuit

Der Annapurna Circuit, oft als einer der schönsten und abwechslungsreichsten Wanderwege der Welt betitelt, führt in einer rund 3 Wochen dauernden Wanderung durch das Gebiet des Annapurna Conservation Area Project (ACAP), dem größten Landschaftsschutzgebiet Nepals.

Tag 1: Anreise - Besisahar und weiter nach Jagat

Unser erster Tag auf dem Annapurna Circuit beginnt früh am Morgen: Nachdem wir am Vortag bereits eine 8-stündige Busfahrt von Kathmandu nach Pokhara hinter uns gebracht haben, nehmen wir heute einen Kleinbus (400 NPR p.P.), der uns von Pokhara nach Besisahar bringen wird. Als wir gegen 6 Uhr an der Tourist Bus Station eintreffen, werden wir am Eingang sofort von einem Teashop Besitzer in Empfang genommen, der uns, wie auch allen anderen, eindeutig als Trekker identifizierbaren Ankömmlingen erklärt, dass man auf den Bus nach Besisahar doch am besten direkt vor seinem Laden warten solle. Klevere Geschäftspolitik… Wir ergreifen die Gelegenheit und nehmen ein kleines Frühstück in Form von Chocolate Roll und Milktea zu uns und schon sehr bald gesellen sich weitere Trekker zu uns, die allesamt den Annapurna Circuit gehen wollen.

Um 6:30 Uhr fährt unser Bus ab und schlängelt sich durch den morgendlichen Verkehr in Pokhara. Circa zwei Stunden später passieren wir Dumre. (Wer von Kathmandu direkt auf dem Annapurna Circuit starten möchte, könnte hier, statt weiter nach Pokhara, direkt in einen Bus nach Besisahar umsteigen und sich auf diese Weise den Umweg über Pokhara sparen.) Gegen 11:30 Uhr erreichen wir schließlich Besisahar. Die kleine Stadt ist der Startpunkt für den Annapurna Circuit, der in der Regel von dieser Seite her begangen wird, so dass man den Thorung La Pass in Ost-West-Richtung überschreitet. Auf diese Weise ist eine bessere Akklimatisierung möglich, da der Anstieg bis zum Pass länger und weniger steil ist.

Der Bus hält am Ortsende von Besisahar. Hier, direkt gegenüber am TIMS-Checkpost bekommen wir unsere TIMS-Card gestempelt. “Besisahar Checkpost - ENTRY” steht da nun, zusammen mit unserem Eintrittsdatum und einer Unterschrift des Verwaltungsangestelten. Nun sind wir offiziel als Trekker des ACT (Annapurna Circuit Trek) erfasst.

Die TIMS-Card ist neben dem ACAP-Permit zwingend notwendig zum Trekking in Nepal. Siehe hierzu: TIMS und ACAP Permit

Neben dem Start in Besisahar besteht die Möglichkeit, hier in einen Jeep umzusteigen und einige der ersten Etappen zu überspringen. Auch wir wollen die ersten beiden Etappen mit dem Jeep zurücklegen, um etwas Zeit zu sparen und hatten bereits mit einer sympathischen Spanierin verabredet, einen Jeep zu teilen. Motiviert den Preis zu drücken, hatte sie noch einige andere aus dem Bus für die Jeepfahrt gewonnen und so saßen wir wenig später zu acht im Jeep, der uns für knapp 900 NPR/Person nach Syange brachte.

Unser Jeep nach Syange

Kurz nach der Abfahrt (und einem kleinen Zwischenstopp an einer Werkstatt, wo noch schnell eine provisorische Reparatur am Wagen durchgeführt wurde) passieren wir den ersten ACAP-Checkpost, wo wir unser ACAP-Permit stempeln lassen müssen.

Eintritt in die ACA

Syange ist nicht besonders groß und bietet nur wenige Lodges zum Übernachten. Dort angekommen beschließen wir weiter nach Jagat zu laufen und uns schon ein bisschen an das Wandern zu gewöhnen. Wir laufen etwa 1,5 Stunden über die Jeeppiste und erreichen den Ort gerade noch rechtzeitig vor dem Regen, der mit einigen Unterbrechungen noch bis zum Abend andauern wird (Übrigens der einzige Regen während unserer ganzen Wanderung!)

Lodge in Jagat

Tag 2: Von Jagat nach Danaque

Die heutige Etappe soll uns, entsprechend der Etappeneinteilung im Wanderführer, nach Bagarchap bringen. Die Wanderung ist mit ca. 7h bereits eine der längeren des Treks (zudem sind gut 1000 Hm zu bewältigen). Da es gestern am Nachmittag geregnet und gewittert hatte, wollen wir lieber früh ankommen und stehen zeitig auf.

Jeeppiste kurz nach Jagat

Von Jagat gehen wir zunächst wieder über die Jeeppiste, bevor wir nach einiger Zeit auf einen schmalen, steilen Pfad in den Wald abbiegen.
Wir durchqueren Chyamche, wo einige Bewohner gerade mit einfachsten Werkzeugen an der Befestigung der Straße arbeiten. Am Ausgang des Ortes, verlassen wir die Straße wieder und laufen zum Fluss, den wir auf einer Hängebrücke (die erste von vielen) überqueren.

Die erste Hängebrücke

Während die Jeepstraße auf der anderen Seite verläuft, bleiben wir auf dieser Seite des Flusses. Das enge Tal, das der Marshyangdi River hier in die Landschaft gegraben hat, ist schon beeindruckend.

Blick zurück ins Tal: Rechts oben auf der Kante der Felswand verläuft die Jeeppiste; links im Hang der Trekkingpfad

Nach einem anstrengenden Anstieg passieren wir ein Tor, das uns den Beginn des Districts Manang kennzeichnet und schon bald darauf sehen wir den nächsten Ort. Das Dorf Tal liegt direkt am Fluss. Im Bereich davor heben Bagger das Flussbett aus, um Schotter zum Straßenbau zu gewinnen.

Blick auf das Dorf Tal
Hinweisschild mit Gehzeiten

Nachdem wir an der Safe Drinking Water Station in Tal unsere Wasservorräte aufgefüllt haben, gehen wir weiter. Kurz nach dem Ort überqueren wir wieder den Marshyangdi River und laufen ab hier den restlichen Tag auf der Jeeppiste weiter.

Wasserversorgung:
Die ersten Tage haben wir versucht auf die eigens eingerichten “Safe Drinking Water Stations” zurückzugreifen, wo man seine Flaschen gegen einen geringen Betrag mit aufbereitetem Wasser auffüllen lassen kann. Jedoch hatten nicht alle Stationen, an denen wir vorbei kamen geöffnet. Später haben wir einfachtheitshalber immer das Wasser in den Lodges abgefüllt und mit unserem Wasserfilter (Sawyer) gereinigt. Damit hatten wir nie Probleme. Alternativ könnte man das Wasser mit Chlortabletten reinigen (die gibt es teilweise vor Ort zu kaufen). Direkt trinkbar wäre das Wasser nicht gewesen bzw. nur abgekocht, wie man es z.B. mit dem Tee bekommt.
Im Notfall kann man aber auch in allen Restaurants und Lodges Wasser in Flaschen kaufen. Hierauf haben wir allerdings, wie auch die meisten anderen, die wir getroffen haben, verzichtet (Müllvermeidung!).

Wasserfall auf die Straße: Schwierig hier nicht nass zu werden...
Jeeppiste kurz vor Karte

In Dharapani (1900m) legen wir am ACAP-Checkpost wieder unser Permit vor und machen eine kleine Verschnaufpause, bis es an den letzten Anstieg geht.
Völlig im Trott bemerken wir gar nicht, dass die paar Häuser an denen wir wenig später vorbeikommen bereits der Ort Bagarchhap gewesen wäre und laufen immer weiter. Ich bin schon ziemlich k.o. als wir schließlich den nächsten Ort Danaque (2190m) erreichen und uns dort ein Zimmer in einer Lodge nehmen.

Unterkunft in Danaque: Motherland-Hotel, gemütlich mit sehr netten Gastgebern

Tag 3: Von Danaque nach Koto

Motto für heute: Ruhig angehen lassen und einfach mal sehen, wie weit wir kommen. Nach der gestrigen Mammut-Etappe (ca.24km und einiges an Höhe) ging es mir nicht besonders gut. Ich hatte wohl einen kleinen Sonnenstich und habe die Nacht nicht gut geschlafen. Merke: Nicht mehr ohne Kopfbedeckung losgehen!

Erste schneebedeckte Gipfel beim Aufstieg hinter Danaque

Unser erstes Ziel für heute heißt Timang. Der kleine Ort ist gut 2h Gehzeit von Danaque entfernt und liegt auf 2620m, womit wir zumindest das Höhenziel, und damit den anstrengesten Teil, der heutigen Etappe erreicht haben. Wir sehen erstmals die wirklich hohen schneebedeckten Gipfel des Annapurna Himal. Die Aussicht, insbesondere in Timang, ist beeindruckend. Das wissen auch die zahlreichen Lodges zu nutzen. Viele laden mit einer gemütlichen Dachterasse zum Verweilen ein. Wir machen eine ausgiebige Pause und genießen das Bergpanorama und den Ausblick auf den Manaslu, der von hier aus zu sehen ist.

Affen an der Straße kurz hinter Timang

Am Nachmittag passieren wir noch den kleinen Ort Thanchok, wo gerade unter anderem eine sehr große Lodge im Bau ist. In vielen Orten, die wir auf dem Weg gesehen haben, wurde gebaut. Sicherlich eine Folge des gestiegenen Tourismus. Leider passt dabei nicht jede gebaute Lodge in das Bild der kleinen nepalesischen Bergdörfer.
Nach Thanchok geht es noch ein längeres Stück durch Wald, bevor wir schließlich Koto erreichen. Wir beschließen in dem beschaulichen Ort zu bleiben, beziehen eine Lodge direkt am Ortseingang und werden erst am nächsten Morgen die verbleibenden 30 min bis nach Chame laufen, die eigentlich noch für die heutige Etappe vorgesehen waren.

Ankunft in Koto

Strom:
So ziemlich in jeder Lodge gab es Strom, oft auch eine Steckdose auf dem Zimmer (insb. in den niedrigeren Lodges). Ich hatte definitiv zu viele Akkus dabei (unnötig und schwer)…

Tag 4: Von Koto nach Dukher Pokhari

Als wir am Morgen aus dem Fenster unserer Lodge schauen, haben wir freie Sicht auf den Annapurna II. Bei unserer Ankunft gestern, war dieser völlig in den Wolken verschwunden.
Wir nehmen gemütlich unser Frühstück ein: Chapati, eine Art Fladenbrot, wird unser Standard-Frühstück. Hier in Koto nehmen wir zusätzlich Tibetanisches Brot (ein dünner Teigfladen, der in Fett ausgebacken wird).

Freie Sicht auf den Annapurna II am Morgen

Wir brechen auf und kommen schon bald in Chamé an. Der Ort ist einer der größten auf dem Trek. Hier kann man sich nochmals mit allem eindecken. Es gibt allerhand Geschäfte, eine Apotheke, aber auch ein Billardcafé u.ä.. Chamé ist sehr lang gestreckt und wir brauchen etwas länger bis wir den Ort schließlich durchquert und uns mit Schokoriegeln und anderem für die nächsten Tage versorgt haben.

Chörte am Ortsausgang von Chame

Wir laufen immer entlang des Marshyangdi River mit dem Annapurna II im Rücken. Mit zunehmender Höhe verändert sich Vegetation und Klima. Es wird zusehends karger und aus dem feuchtwarmen Urwald der ersten Tage ist ein für uns typischer Nadelwald geworden. Aber auch sonst wandelt sich das Bild der Landschaft und der Orte. Während zu Beginn des Treks noch mehr Symbole des Hinduismus zu sehen waren, herrscht nun der tibetanische Buddhismus vor. In der Ortsmitte der meisten Dörfer finden sich buddistische Gebetsmühlen und viele Stellen des Wanderweges zieren unzählige Gebetsfahnen, die sich mit ihren bunten Farben wunderschön in das beeindruckende Bergpanorama des Annapurna integrieren und dem ganzen noch etwas Mystik verleihen. So hatte ich mir Nepal immer vorgestellt.

Wir erreichen Bhratang. Im Zentrum des winzigen Ortes steht eine große Apfelfarm, die die umliegenden Plantagen bewirtschaftet. Daran angeschlossen gibt es ein modernes Teahouse und eine Luxus-Lodge, die nicht so wirklich in diese Gegend passen. Wir nehmen eine kleine Stärkung im Teahouse (es gibt Apfeldonuts) und machen u.a. Bekanntschaft mit einem alleinreisenden Franzosen, der schon fast im Laufschritt über den Weg heran kommt und, wie wir erfahren, heute morgen erst in Danaque gestartet ist (dort, wo wir die vorletzte Nacht geschlafen haben). Einig darüber, dass es sich definitiv lohnt dem Weg und der Landschaft mehr Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, lassen wir ihn ziehen und folgen in unserem gemütlichen Tempo weiter der Straße, die hier kurz nach Bhratang einfach so in die Felswand getrieben wurde.

Apfelfarm in Bhratang

Kurz danach queren wir wieder den Fluss. Nun geht es noch eine ganze Weile abseits der Piste steil durch Nadelwald bergauf, bis wir schließlich in Dukher Pokhari (3190m) ankommen, wo wir die heutige Nacht verbringen.

Straße in den Fels gehauen
Blick auf den heiligen Berg Swargadwari
Lodge in Dukher Pokhari

Wir sind wieder fast die einzigen Gäste hier und bekommen das beste Zimmer mit 3-Seiten-Bergblick.

Momos zum Abendessen

Tag 5: Von Dukher Pokhari nach Ghyaru

Am nächsten Tag geht es erst einmal durch weitestgehend ebenes Gelände am Marsyangdi entlang bis nach Pisang. Der Ort ist zweigeteilt. Upper Pisang liegt am Hang auf der gegenüberliegenden Flussseite und ist schon früh aus der Ferne zu erkennen. Etwas später erblicken wir dann auch das tiefer liegende Lower Pisang auf unserer Seite des Flusses. Wir spazieren durch den Ort, machen kurz Rast und nehmen anschließend den Weg nach Ghyaru.
Hinweis: Die Etappen über Ghyaru und Ngawal ist landschaftlich definitiv zu empfehlen! Wer es eiliger hat, kann von Pisang auch direkt nach Manang laufen und sich so eine Tagesetappe sparen.

Fluss Marsyangdi und Blick auf Upper Pisang
Jeep in Lower Pisang
Lower Pisang
Gebetsmühlen in Lower Pisang

Es geht zunächst weiter durch die spärlich mit Kiefern bewachsene Ebene, bevor wir erneut eine Hängebrücke passieren. Von hier aus steigen wir in karg bewachsenen, staubigen Serpentienen die verbleibenden 350 Höhenmeter bis nach Ghyaru hinauf. Es lohnt sich einige Pausen zu machen und den Blick von hier oben zu genießen.

Aufstieg nach Ghyaru: Blick Richtung Pisang
Wasserstelle am Weg kurz vor Ghyaru

Oben angekommen machen wir noch eine letzte Pause im Teahouse, das eine ältere sympathische Dame hier betreibt. Bis nach Ghyaru (3670m) sind es noch ca. 15 min.
Das danach kommende Wegstück zwischen Ghyaru und Ngawal soll landschaftlich wunderschön sein und da es bereits etwas später ist und die hohen Berge schon in den Wolken verschwinden, beschließen wir, in Ghyaru zu übernachten, um diesen Teil des Weges am Morgen zu gehen, wenn der Himmel noch klar und die Sicht besser ist.
Wir beziehen eine gemütliche Lodge am Eingang des Dorfes. Die Lodge bzw. das Zimmer ist das einfachste, das wir auf dem gesamten Trek hatten bzw. haben werden. Die Aussicht aus dem Fenster dafür die beste! Wir sind wieder die einzigen Gäste und das Zimmer gibt es sogar ‘for free’.

Ausgaben:
Für ein Doppelzimmer bezahlen wir meist zwischen 250 und 600 NPR (2-5€). Dabei wird in der Regel vorausgesetzt, dass man in der betreffenden Lodge ein Abendessen, sowie ein Frühstück einnimmt. Alles in allem (Zimmer, Frühstück, Abendessen, Getränke) zahlten wir meist für uns beide zusammen 2500 NPR (ca.20€). Lediglich in den höher gelegenen Lodges, die nicht mehr vom Jeep angefahren werden können, war das Essen aufgrund der Transportkosten etwas teurer. Hier zahlten wir auch mal 3000 NPR und mehr.

Unser Zimmer in Ghyaru

Tag 6: Von Ghyaru nach Braga

An diesem Morgen können wir dem Sonnenaufgang direkt vom Bett aus zusehen. Die Aussicht ist grandios.

Blick vom Bett aus: Sonnenaufgang am Morgen in Ghyaru
Blick auf Annapurna II

Ghyaru ist noch ein völlig urtümliches Dorf, das fast nur aus einfachen Steinhäusern besteht, die in den Hang hinein gebaut wurden. Dazwischen, gleichsam eines Irrgartens, schlängelt sich mit allerhand Steinstufen der schmale Weg, der durch das Dorf führt.

Häuser in Ghyaru
Ghyaru: Blick aus der Ferne

Wir lassen Ghyaru hinter uns und laufen auf der Höhe verbleibend den Hang entlang. Vom hochgelegenen Weg kann man das gesamte Tal entlang schauen. Die Dimensionen sind beeindruckend!

Aussicht vom Panoramaweg nach Ngawal: Lower Pisang im Tal; rechts davon Teile des Annapurna II
Aussicht vom Panoramaweg: Humde und die nicht mehr genutzte Landebahn des Manang Airport
Souvenirverkäufer am Wegesrand

Zwei Stunden mit vielen Fotopausen später gelangen wir nach Ngawal. Das Dorf wirkt touristischer, bietet einige Lodges, auch neuere und sogar ein Resort. Schade, wenn der urtümliche Tourismus mit den kleinen, oft familiengeführten Lodges verdrängt werden sollte.
Wir trinken noch einen Milktea bevor wir weitergehen.

Ngawal

Nach Ngawal geht es eine gefühlte Ewigkeit über staubige Piste weiter. Die Sonne ist stechend heiß und in der spärlich bewachsenen Umgebung gibt es nichts schattenspendendes mehr. Wir erhöhen unser Gehtempo, wollen dieses Stück Weg schnell hinter uns bringen und kommen schließlich nach Mungji, wo wir uns erschöpft eine Pause in der Trekkers Bakery am Ortsende gönnen.

Zimtschnecke in Mungji

Von hier sind es noch 30 min Gehzeit bis nach Braga, unserem heutigen Ziel. Dort nehmen wir uns ein Zimmer in der Himalayan Lodge, eine von fünf Lodges, die an der Straße durch Braga stehen. (Die Lodge wurde in unserem Wanderführer speziell für ihr besonders gutes Essen gelobt; war wirklich sehr gut!) Der alte Ortskern mit ähnlichen Steinhäusern, wie wir sie in Ghyaru gesehen haben, liegt etwas oberhalb. Außerdem gibt es in dem Dorf ein tibetisches Kloster, das zu bestimmten Zeiten gegen Gebühr besichtigt werden kann.

In den vergangenen Tagen waren wir meist allein auf dem Weg unterwegs und haben selten andere Trekker getroffen. Vermutlich auch, weil wir teils von der klassischen Etappeneinteilung abgewichen sind und in kleineren Orten übernachtet haben. Braga ist da nun eine Umstellung für uns. Es sind sehr viele Trekker unterwegs und der relativ große ‘Dining Room’ der Lodge ist am Abend gut gefüllt.

Braga

Kommunikation:
Fast jede Lodge hatte WLAN zur Verfügung. Meist kostenlos, teilweise für 100-200 NPR. Zeitweise gab es Ausfälle, ansonsten war das meist ausreichend (für kleine Datenmengen!). Außerdem gibt es natürlich die Option vorher eine SIM-Karte zu kaufen. Das Handynetz ist bis zu einer gewissen Höhe noch gut ausgebaut und man bekommt oft LTE.

Tag 7: Tagesausflug Richtung Ice Lake

Braga bzw. das deutlich größere, nah gelegene Manang wird von den meisten Trekkern genutzt, um einen Tagesausflug (gut zur Akklimatisierung) zum Ice Lake oder zur Milarepa Cave zu machen.
Auch wir bleiben zwei Nächte hier, nutzen den Aufenthalt um unsere Wäsche zu waschen und wollen bei einem Tagesausflug zum Ice Lake (ca. 4600m) schon Mal etwas Höhenluft jenseits der 4000er schnuppern.

Blick auf Braga

Wir können einen Großteil unseres Gepäcks in der Lodge lassen und brechen nach einem kurzen Frühstück am Morgen mit ungewohnt leichten Rucksäcken auf.
Der Weg zum See ist ab der Straße durch Braga ausgeschildert und mit Markierungen versehen. Es geht rechts am alten Ortskern von Braga vorbei. Anschließend folgen wir dem relativ steilen, später in Serpentinen verlaufenden Pfad, der uns immer weiter den Berg hinauf führt.

Wegmarkierung: Ice Lake

Der Ice Lake oder auch Kicho Lake ist ein beliebtes Postkartenmotiv. Geht man an das Nordufer des Sees, spiegelt sich die ganze Bergkette um Annapurna II, IV und Gangapurna in der Wasseroberfläche. Der Aufstieg von Braga ist bei guten Bedingungen mit etwa 4h angegeben.
Wie wir am Abend zuvor in der Lodge schon erfahren hatten, ist der See zum Zeitpunkt unserer Wanderung jedoch noch zugefroren und mit Schnee bedeckt. Zudem ist der Aufstieg über den teils noch schneebedeckten Weg deutlich zeitintensiver und so hatten wir schon geplant, nicht den kompletten Weg bis zum See zu gehen, um am Nachmittag noch ein paar Stunden zur Regeneration in der Lodge verbringen zu können.

Teahouse (ca. 4300m)

Auf 4300m passieren wir ein Teahouse und gehen noch ca. 20min weiter bis auf eine Ebene. Ab hier treten wir nach einer längeren Pause den Rückweg an. Die Aussicht ist, wie eigentlich während des ganzen Aufstiegs, absolut beeindruckend und die Wanderung auf jeden Fall wert!

Aussicht auf Annapurna IV
Kleine Stärkung vorm Abstieg

Am Abend in der Lodge gibt es dann ein klassisches Dal Bhat - das landestypische Gericht besteht aus Reis, Linsencurry (suppenartig), einem gelblichen Gemüsecurry (oft mit Kartoffeln), Kohl oder Spinatähnlichem Gemüse, Papadam (ein dünner, gebackener Teigfladen) und sauer-scharf eingelegtem Gemüse.

Dal Bhat am Abend in der Lodge

Tag 8: Von Braga nach Yak Kharka

Wir gehen etwa eine halbe Stunde bis Manang, einer der größten Orte auf der Wanderung. Hier gibt es neben zahlreichen Lodges allerhand Geschäfte, Cafés und sogar ein Kino.

Manang
"Kino" in Manang

In Manang endet die Jeeppiste und ab Tangki, dem kleinen Dorf direkt hinter Manang fahren keinerlei motorisierte Fahrzeuge mehr.

Chörte am Ortseingang von Tangki
Keine Straße mehr
Blick zurück: Tangki und Manang

Wir sehen den Bauern zu, die die hier, wie überall, die im Hang angelegten Ackerflächen in mühevoller Handarbeit (teils mit Hilfe von Yaks) bewirtschaften.
Der Weg führt uns weiter durch karg bewachsenes Land. Wir gewinnen stetig an Höhe und kommen nach Gunsang (3900m), etwa auf halber Strecke unserer heutigen Etappe. Der Ort ist winzig und besteht im wesentlichen nur aus zwei Lodges. Während einer kleinen Teepause können wir zahlreiche Adler beobachten, die hier unterhalb der Häuser im Hang siedeln.

Milk Tea und Pie in Gunsang
Lastpferde auf dem Weg nach Yak Kharka

Ohne weitere größere Steigungen kommen wir schließlich nach Yak Kharka (4020m), unserem heutigen Ziel. Der ganze Ort besteht lediglich aus 3 Lodges. Wir bleiben im Hotel Gangapurna, die größte Lodge direkt am Ortseingang. Das Essen ist gut und die Lodge, trotz ihrer Größe (es gibt 3 größere Dinning Rooms), sehr gut organisiert. Wer es etwas ruhiger und kleiner mag, dem sei das Hotel Thorung Peak empfohlen, wo wir zwei Tage später bei unserem zweiten Aufenthalt in Yak Kharka absteigen.

Yak Kharka

Am Nachmittag machen wir oberhalb des Ortes noch einen kleinen Spaziergang, um (zwecks Akklimatisierung) nochmal ein paar Meter höher gewesen zu sein, bevor wir uns den restlichen Tag in der Lodge ausruhen.
Wir bestellen uns Cheese Sandwich und gebratenen Reis mit Gemüse und verbingen den Abend noch in geselliger Runde. Unter anderem lernen wir zwei Italiener und einen Malaysier kennen, die den Annapurna Circuit mit Fahrrädern begehen. Die Stimmung ist super und neben der bevorstehenden Gipfelüberquerung tauschen sich alle über ihre bisherigen Erfahrungen und Erlebnisse auf dem ACT aus.

Tag 9: Von Yak Kharka nach Thorung Pedi

Die Etappe bis Thorung Pedi ist mit gut 3h sehr kurz. Wie gewinnen kontinuierlich an Höhe, überqueren den Fluss und kommen nach einem kurzen, anstrengendem Anstieg an ein Teahouse auf 4400m.

Teahouse auf der Strecke nach Thorung Pedi

Bis nach Thorung Pedi müssen wir anschließend noch durch ein stark steinschlaggefährdetes Gebiet, bevor wir gegen 11:30 Uhr am Eingangstor vom Camp auf 4500m stehen.

Steinschlaggefährdetes Gebiet
Weg nach Thorung Pedi

Wir beziehen ein Zimmer und gönnen uns eine Pause mit Chocolate Roll und Kakao.
Wie die meisten anderen auch, machen wir dann am Nachmittag noch einen Ausflug zum High Camp auf 4860m, um uns weiter an die Höhe zu gewöhnen. Der Weg ist steil und im oberen Bereich aufgrund von Tauwassers aufgeweicht und teils geflutet. Wir gehen sehr langsam (man merkt deutlich die dünne Luft) und brauchen fast 2h bis oben.
Wer möchte kann die Gelegenheit nutzen und noch etwas weiter oberhalb des High Camps zu einer Stupa gehen.

Thorung Pedi (Base Camp)

Den Abend verbringen wir in geselliger Runde im Speiseraum der Lodge, bevor wir, in Vorbereitung der morgigen Etappe, früh schlafen gehen.

Tag 10: Fast über den Thorung La und zurück

Heute wartet die Königsetappe des Annapurna Circuit Trails auf uns. Wir wollen den Thorung La (5416m) überqueren um in das Tal auf der anderen Seite des Annapurna Massivs nach Muktinath zu kommen.
Nach unserem Ausflug zum High Camp gestern hatte ich abends recht starke Kopfschmerzen und konnte die Nacht nur schlecht schlafen. Nachträglich betrachtet, hätten wir daher heute besser noch zur Erholung in Thorung Pedi bleiben und einen Pausetag einlegen sollen…
Am Morgen geht es mir jedoch wieder gut und nach einem kurzen Frühstück gehen wir um ca. 5 Uhr von Thorung Pedi los.

Sonnenaufgang auf dem Weg zum High Camp

Während wir den steilen Anstieg zum High Camp bewältigen, können wir der Sonne beim Aufgehen zusehen. Der Boden ist noch gefroren und deutlich fester als gestern Nachmittag. Oben angekommen tauschen wir unsere Daunenjacken gegen Sonnencreme und eine leichte Hardshell. Mit der Sonne wird es direkt deutlich wärmer.

High Camp (4890m)

Ab dem High Camp laufen wir fast nur noch durch Schnee. Für diese Etappe haben wir extra Grödel mitgenommen, die wir kurze Zeit später auch anziehen. Bei den aktuellen Bedingungen wären diese zwar nicht mehr unbedingt nötig gewesen, erleichtern jedoch das Vorankommen im festgetrampelten Schnee und geben an den steilen Hängen zusätzliche Sicherheit.

Weg zum Thorung La Pass

Zweifelsohne ist diese Etappe landschaftlich das Highlight der gesamten Tour und schafft es die wirklich beeindruckenden Aussichten der letzten Woche nochmals zu toppen.
Wir kommen zunächst gut voran, erreichen ein Teahouse auf ca. 5100m. Mit der dünnen Luft wird jeder Schritt anstrengender (man atmet nur noch halb so viel Sauerstoff im Vergleich zur Normalhöhe).

Teahouse auf 5080m

Irgendwann macht sich bei mir Übelkeit bemerkbar und mehr und mehr auch ein Gefühl der Benommenheit. Als wir gegen 10 Uhr auf einer Höhe von 5330m eine weitere Pause machen, beschließen wir kein Risiko einzugehen und kehren um (das einzig wirkungsvolle bei Höhenkrankheit). Für die laut GPS ca. 600m (80Hm) bis zum Pass hätten wir vermutlich nur noch eine dreiviertel Stunde gebraucht… Schade!
Der anschließende Abstieg geht rasend schnell. Nach nur 1,5h sind wir wieder zurück in Thorung Pedi. Obwohl es mir wieder deutlich besser geht, wandern wir heute noch bis Yak Kharka auf ca. 4000m zurück, um auf Nummer sicher zu gehen.
Ein sehr intensiver und anstrengender Tag, für den wir uns am Abend erst Mal einen Yak-Burger in der Lodge gönnen…

Navigation:
Wir hatten ein Garmin GPS Gerät dabei, das aber de facto nicht wirklich notwendig gewesen wäre. Der Weg ist leicht zu finden. Eine Karte bzw. ein guter Wanderführer (wir haben den Rother benutzt) ist eigentlich ausreichend. Darüber hinaus finde ich einen Höhenmesser (z.B. an der Armbanduhr) empfehlenswert, um grob abzuschätzen wo man ist.

Tag 11: Abstieg nach Manang und eine anstrengende Jeepfahrt

Noch etwas enttäuscht vom gestrigen Tag entschließen wir uns, dass wir zeitnah keinen weiteren Versuch der Passüberquerung unternehmen. Mit einem erneuten, langsamen Aufstieg und der notwendigen zusätzlichen Akklimatisierung hätten wir vermutlich viel Zeit verloren, die wir lieber nutzen, um noch anderes von Nepal kennenzulernen.
Von Yak Kharka laufen wir in wenigen Stunden zurück nach Manang. Hier nehmen wir uns am Ortseingang einen Jeep für die Rückfahrt (10000 NPR, ca. 80€). In einer anstrengenden und holprigen 8h Fahrt, während der wir (trotz krampfhaften Festhaltens) immer wieder aufpassen müssen, aufgrund der Straßenverhältnisse, nicht ans Dach des Wagens zu stoßen, kommen wir am Abend erschöpft in Besisahar an.
Morgen nehmen wir von hier aus den Bus nach Pokhara, um dann von dort den Poon Hill Trek auf der anderen Seite des Annapurna Gebirges zu machen…

Fazit Annapurna Cicuit: Absolut begeistert!

Wir hatten tolle Tage auf dem Trail. Insbesondere auf dem höhergelegenen Teil ab 3000m (wo das Klima auch angenehmer ist) hat man immer wieder beeindruckende Weitblicke und faszinierende Panoramen auf das Annapurnamassiv, die diese Wanderung zu einem ganz besonderen Erlebnis machen.

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