Torres del Paine und eine Reise ans Ende der Welt

Südpatagonien und Feuerland

Samstag, 19:15 Uhr hebt unser Flieger in Düsseldorf ab. Nachdem wir am Morgen noch die letzten Erledigungen getroffen, Rucksäcke final gepackt hatten, geht es nun los.
Wir haben jeder gleich drei Bordkarten in unseren Taschen: Zunächst geht es nach Madrid. Von hier startet gegen Mitternacht unser Flug über den Atlantik. Gut 13 Stunden sind wir in der Luft, bevor unsere LATAM Maschine schließlich am Morgen in Chiles Hauptstadt Santiago landen wird.
Dort absolvieren wir die Einreiseformalitäten, holen das in Düsseldorf aufgegebene Gepäck ab, um es durch den Zoll zu führen und anschließend am Schalter wieder erneut aufzugeben. Alles klappt reibungslos. Nach ca. 2 Stunden Aufenthalt sitzen wir erneut im Flieger, um dann ca. 15 Uhr Ortszeit (24h nach unserem Abflug in Düsseldorf) endlich unser Ziel zu erreichen: Punta Arenas.

Punta Arenas, inmitten der Magellanstraße am chilenischen Festland gegenüber der Insel Feuerland gelegen, ist Hauptstadt der Región de Magallanes y de la Antártica Chilena und die größte Stadt im chilenischen Südpatagonien. Hier starten wir unsere gut 2-wöchige Reise durch den chilenischen Teil Patagoniens und Feuerland.

Punta Arenas

Mit dem Taxi gelangen wir in ca. 20 min vom Flughafen zum Sol Invierno Backpackers Hostel. Ein sehr gemütliches, empfehlenswertes Hostel, in dem wir die ersten beiden Nächte verbringen werden. Wir nutzen den Abend unserer Ankunft zur ersten Orientierung in der Stadt und planen die kommenden Tage.

Empanadas zum Essen am ersten Abend

Am nächsten Morgen schlendern wir durch Punta Arenas und decken uns im nahegelegenen Unimarc mit Lebensmitteln für die ersten Tage ein.
Das Wetter ist so gar nicht, wie wir es erwartet hatten. Es ist überwiegend sonnig und wenn der Wind nicht so stark wäre, könnte man im T-Shirt herum laufen.

Blick über Punta Arenas

Punta Arenas dient im wesentlichen als Ausgangsort für die Weiterfahrt z.B. nach Puerto Natales oder Ushuaia und bietet an sich nicht viele Möglichkeiten während eines längeren Aufenthalts. Wir werden nur für 2 Nächte hier bleiben.

Fuerte Bulnes

Am Nachmittag machen wir eine Fahrt zu Fuerte Bulnes. Den Kleinbus, der uns direkt am Hostel abholt, hatten wir noch am Abend unserer Ankunft in einem Touristenbüro gebucht.
Fuerte Bulnes (ca. 50km südlich von Punta Arenas) ist ein originalgetreuer Nachbau eines 1843 errichteten Forts nahe dem Kap Froward.
Zum Fort gehört ein Museum, das sehr modern und gut aufbereitet von der Geschichte und Bedeutung der Magellanstraße, sowie der Besiedlung Chiles erzählt.
Da wir die einzigen beiden nicht chilenischen Touristen sind, bekommen wir sowohl im Museum, als auch im Fort, kurzer Hand eine Privatführung auf Englisch organisiert.
Insbesondere dank der hochmotivierten und begeisterten Museumsführerin ein interessanter und sehr gelungener Ausflug.
Für die Fahrt zahlen wir 15000 CLP, für den Eintritt in den Park (mit Museum und Fort) nochmals 14000 CLP.

Fuerte Bulnes

Isla Magdalena

Am zweiten Tag stehen wir früh auf. Um 6:30 Uhr warten wir am Office von Solo Expediciones auf einen Kleinbus, der uns zu einem Bootsanleger außerhalb der Stadt bringen wird. Von dort fahren wir in einem kleinen Boot rund 45min bis zur Insel Magdalena, die eine große Kolonie Magellanpinguine beherbergt. Die See ist sehr ruhig (bei starkem Wind wäre das Boot nicht gefahren) und auch sonst haben wir wieder richtig gutes Wetter.

Bootsanleger auf Isla Magdalena

Wir haben eine Stunde Zeit, um gemütlich über die Insel zu schlendern. Im Anschluss fahren wir zur benachbarten Insel Marta, wo wir vom Boot aus eine große Seelöwen-Kolonie beobachten können.

Auf der Rückfahrt zum Festland begleiten uns ein paar Delphine ein Stück weit und springen immer wieder neben dem Boot aus dem Wasser.

Delphine neben dem Boot

Für 65000 CLP definitiv kein günstiger Ausflug, aber um die Tiere in ihrer natürlichen Umgebung einmal ganz nah zu erleben sicherlich lohnenswert.

Um ca. 12 Uhr Mittag sind wir wieder zurück in Punta Arenas. Wir packen unsere Sachen im Hostel und nehmen spontan direkt um 14 Uhr den Bus nach Puerto Natales (​https://www.bussur.com​, 8000 CLP pro Person).

Puerto Natales

Ca. 3 Stunden fahren wir bis Puerto Natales. Die Stadt wird von den meisten Reisenden als Übergang für eine Nacht in oder aus dem Torres del Paine genutzt. Auf der Straße sind unzählige Trekker und Backpacker unterwegs. Es gibt eine Vielzahl von Hostels, netten Restaurants und Bars, sowie nochmal deutlich mehr Outdoor-Geschäfte als etwa in Punta Arenas.
Wir kommen für eine Nacht im Domos Hostel unter, wo wir hervorragend mit Informationen zum Park versorgt werden und die nächsten Tage planen.

Puerto Natales

Empfehlenswert ist außerdem die Chocolateria Patagonia Dulce, wo wir uns kurz nach unserer Ankunft in Puerto Natales eine Pause gönnen.
Wer entspannt ein schönes Glas chilenischen Wein probieren möchte, sollte zudem das Lenga (Street Bories 221) besuchen. Hier waren wir eine Woche später nach unserer Rückkehr aus dem Park. Auch die Speisen sahen sehr gut aus.

Chocolateria Patagonia Dulce

Torres del Paine Nationalpark

Busse von Puerto Natales fahren entweder um 7:30 Uhr oder 14:30 Uhr ab und brauchen etwa 1,5 Stunden bis zum Haupteingang Laguna Amarga. Anschließend fahren sie weiter nach Pudeto (hier legt der Katamaran an, der Besucher über den Lago Pehoé zum Paine Grande bringt), sowie zur Administration.
Wir haben uns bereits am Abend zuvor Tickets für den Bus am Morgen gekauft und erreichen den Park gegen 9 Uhr.

Hier müssen wir erst einmal Schlange stehen. Alles wirkt etwas überlaufen. Da die verschiedenen Busunternehmen nahezu zur gleichen Zeit in Puerto Natales abfahren, sind mit uns noch einige andere Busse angekommen. Alle müssen aussteigen, sich am Eingang registrieren und den Eintritt zahlen.

Registrierung am Parkeingang Laguna Amarga

Unser erstes Ziel ist der Campingplatz Pehoé. Hier, so hatten wir zuvor erfahren, braucht man anders als auf den Plätzen der W- oder O-Trails keine Reservierung, sondern bekommt, wie auch bei den anderen per Auto erreichbaren Campingplätzen, meist ohne Probleme noch einen Platz. Auf Nachfrage beim Busfahrer werden wir netterweise direkt dort abgesetzt.
Auf dem Camping Pehoé verbringen wir die ersten beiden Nächte. Im Anschluss beginnen wir mit dem Trekking auf dem W-Trail, da wir ab diesen Tagen Reservierungen für die entsprechenden Plätze haben.

Campingplatz Pehoé

Das Wetter ist, wie wir es für Patagonien erwartet hatten. Der Wind ist ziemlich stark, immer wieder regnet es ein wenig und die Wolken hängen tief an diesen Tagen.
Wir machen kurze Wanderungen vom Campingplatz aus und sind, trotz des Wetters, begeistert von der Landschaft im Park.
Noch am Nachmittag unserer Ankunft am Lago Pehoé machen wir eine kurze Wanderung zum Mirador Condor. Wir können uns fast schon ein wenig gegen den Wind lehnen hier oben. Die Aussicht aber ist super.

Aussicht vom Mirador Condor

Am nächsten Tag gehen wir zum Salto Grande (in der Nähe vom Bootsanleger Pudeto) und weiter zum Mirador Cuernos. Es regnet immer wieder kurz, was uns jedoch nicht weiter stört. Eine schöne kleine Wanderung. Leider haben wir aufgrund des Wetters am Mirador Cuernos nicht die beste Sicht.

Wasserfall Salto Grande
Hühnersuppe mit Reis am Abend
Tierischer Bewohner auf dem Campingplatz (Zwerggürteltier)

W-Trek

Am dritten Tag im Park wechseln wir zum Campingplatz Paine Grande. Wir laufen ca. 1h vom Camping Pehoé die Straße entlang und nehmen von Pudeto den Katamaran um 11:00 Uhr (weitere Fahrten um 9:00, 16:15, 18:00).
Wir fahren etwa 30 min über den See (18000 CLP für das One-Way-Ticket p.P.). Bei der Camping-Anmeldung müssen wir dann zunächst wieder Anstehen. Die meisten, die heute hier übernachten sind wohl mit unserem Boot gekommen. Den Campingplatz Paine Grande fand ich am schönsten, der von uns besuchten Plätze. Das Refugio ist zwar recht groß, passt sich aber ganz gut in die Berglandschaft ein und ist mit einer größeren DAV Hütte in den Alpen vergleichbar. Daneben befindet sich eine große Zeltwiese mit toller Sicht auf die Berge.
Das Kochen im Park ist aufgrund der Brandgefahr nur in vorgesehenen Bereichen erlaubt ist. Hierzu gibt es eine größere Hütte mit Sitzmöglichkeiten, wo jeder seinen Gaskocher aufstellt. Die Stimmung ist super, es werden die verschiedensten Gerichte gekocht und man kommt schnell mit anderen ins Gespräch.
Das man im Nationalpark nicht in Einsamkeit unterwegs ist, sollte einem im Vorfeld klar sein, wenn man in den Torres del Paine fährt. Die atemberaubende Landschaft macht dies aber weg und ist es auch Wert geteilt zu werden.

Katamaran Lago Pehoé
Campingplatz Paine Grande

Etappe 1: Mirador Glacier Grey

Am nächsten Tag stehen wir zeitig auf. Unser Ziel für diesen Tag ist der Mirador Glacier Grey. Eine Strecke von gut 11km (3,5 Gehstunden) jeweils hin und zurück stehen uns bevor. Die Bedingungen sind grandios: Ab Mittag sind keine Wolken mehr am Himmel und der Wind ist so schwach, dass man gut mit T-Shirt wandern kann. Am Abend werden wir etwas Sonnenbrand haben.
Der Weg ist abwechslungsreich und nach gut der Hälfte hat man einen ersten grandiosen Blick auf den Gletscher.

Glacier Grey

Dann geht es noch ein Stück am Lago Grey entlang, vorbei am Campamento Grey, bis zum eigentlichen Mirador. Das Gelände hier, von dem man einen schönen Blick auf den Gletscher hat, ist sehr weitläufig und es sind zu unserer Zeit noch nicht viele Menschen dort. Hier kann man sehr gut etwas Zeit verbringen.

Mirador Glaciar Grey
Kalben des Gletschers

Früh losgehen lohnt sich auf diesem Abschnitt. Später ist eventuell mehr los auf dem Weg, wenn auch Tagesgäste, die mit dem Katamaran ankommen zum Aussichtspunkt unterwegs sind.

Etappe 2: Paine Grande - Los Cuernos

Nach einer zweiten Übernachtung auf dem Campamento Paine Grande steht die Etappe zum Campamento Los Cuernos an.
Wir gehen zunächst ca. 3h bis zum Camp Italiano. Dort lagern wir unsere Trekkingrucksäcke an der Conaf-Station und gehen mit kleinem Gepäck ein Stück ins French Valley.

Nach ca. 10min sind wir schon am Mirador Glaciar del Francés. Wir gehen noch ein gutes Stück an der Gletschermoräne entlang, dann kehren wir wieder zurück. Bis zum Campamento Cuernos sind es noch ca. 2,5h Wanderung vom Camp Italiano.

Glaciar del Francés

Im Campamento Los Cuernos konnten wir im Vorfeld leider keinen einzelnen Campingplatz mehr reservieren. Stattdessen haben wir eine Plattform gebucht, die es nur in Verbindung mit Vollverpflegung gab.
Für Wanderer, die wenig Gepäck mitnehmen wollen oder ohnehin in den Refugios übernachten sicherlich eine gute, wenn auch teure Alternative. Es gibt Abendessen, Frühstück und ein Lunchpaket.
Uns reißt das Essen, das wir im Refugio neben der Bar einnehmen, ein wenig aus der Trekkingstimmung. Da hätte uns das Kochen auf dem Gaskocher besser gefallen.

Unser Zelt auf dem Campamento Los Cuernos

Der Wind war an diesem Abend extrem stark. Nach dem Abendessen ziehen wir mit unserem Zelt auf eine andere, etwas windgeschütztere Plattform um, da wir zweifelten, dass die Zeltstangen dem lange standhalten können. Mit nochmals besseren Abspannungen konnten wir das Zelt dann aber für die Nacht sturmsicher machen.

Etappe 3: Los Cuernos - Central

Diese Etappe ist nicht sonderlich lang. Ca. 4,5h Gehzeit. Die Landschaft ist auf diesem Teilstück noch einmal ganz anders. Zunächst geht es wieder durch stark bewachsene, teils bewaldete Regionen. Je näher wir dem Endpunkt kommen, wird das Land zunehmend kahler und flacher. Es gibt wieder viele schöne Plätze und da wir keine Eile haben, lassen wir uns Zeit und Verweilen immer mal wieder ein bisschen (bei bestem T-Shirt-Wetter).
Am Ende überqueren wir den Fluß und kommen zur Straße. Die Hosteria Las Torres war schon aus der Ferne erkennbar. Hier stehen einige Häuser. Campingplatz (Central) und Refugio sind nochmal gut 10min Fußweg dahinter. Hier schlagen wir unser Zelt für die letzte Nacht im Torres del Paine auf.

Etappe 4: Mirador Las Torres

Der Wecker an diesem Morgen klingelt um 5:30 Uhr. Wir stehen in der Dunkelheit auf, bereiten uns unseren morgendlichen Porridge und gehen ca. 1h später los. Unser Ziel ist der Aussichtspunkt Mirador Torres del Paine mit dem berühmten Ausblick auf die für den Park namensgebenden drei Türme. Die Gehzeiten sind für die ca. 800 Höhenmeter recht hoch angegeben und da wir am Abend den Bus nach Puerto Natales bekommen wollen, starten wir entsprechend früh.

Wegweiser zum Campingplatz Chileno
Weg zum Campingplatz Chileno
Fast da...

Wir haben beste Bedingungen: Moderater Wind, Bewölkt, aber nicht regnerisch und angenehme Temperatur. Bereits nach 1:45h erreichen wir den Campingplatz Chileno, eine Stunde später den Campamento Torres. Wir machen keine Pausen und gehen auch das letzte (steilere) Stück noch durch bis zum Mirador (45min). Die Wolkendecke ist noch hoch genug, so dass wir die Torres komplett sehen können. Beeindruckender Ausblick.

Mirador Base de las Torres

Der Wind hier oben ist extrem stark und wirbelt immer wieder Sand in die Augen. Wir nehmen einen kleinen Snack zur Stärkung und nach ca. 20 min machen wir uns wieder an den Abstieg.

Der Aufstieg ist teilweise mit 4-5h angegeben. Wir schaffen ihn in 3,5h, sicherlich auch wegen der guten Wetterbedingungen. Ebenso lohnt sich das frühe losgehen. Bei unserem Abstieg kommen uns zwischen Camp Chileno und Camp Torres sehr viele Wanderer entgegen. Teils auch geführte, größere Gruppen, wodurch der Aufstieg sicherlich auch stark verlangsamt werden kann.

Als wir wieder das Camp Chileno erreichen setzt gerade starker Regen ein und wir machen eine Stunde Pause bis sich das Wetter bessert. Gegen 15 Uhr schließlich erreichen wir wieder Campamento Central, wo wir unser Zelt noch im Trockenen abbauen können. Den restlichen Nachmittag wird es regnen. Wir setzen uns bis zur Abfahrt des Busses auf ein Getränk ins Refugio.
Sehr froh, so früh losgegangen zu sein und die Wanderung noch bei entsprechend guten Bedingungen gemacht zu haben, war das ein grandioser Abschluss unseres Besuchs im Torres del Paine.
Wir nehmen um 19 Uhr den Shuttlebus vom Refugio zu Laguna Amarga und von hier den Bus nach Puerto Natales, wo wir im gleichen Hostel, wie bei unserer Anreise, Betten für die Nacht reserviert haben.

Fazit:

Da wir nicht für alle Campingplätze Reservierungen bekommen hatten, mussten wir etwas umplanen, hatten aber wunderschöne Tage im Park und haben sehr viel gesehen.
Aufgrund der Bekanntheit des Parks, ist man selten allein auf dem Weg. Dennoch steht die Natur im Vordergrund. Die Organisation ist gut, es gibt im Park einige Kontrollposten mit Rangern. Nirgends liegt Müll herum oder dergleichen. Der Torres del Paine Nationalpark war zweifelsohne das Highlight des Urlaubs.


Wer im Torres del Paine das W oder das O gehen möchte, sollte auf jeden Fall im Vorfeld die Campingplätze reservieren. (Anfang November waren wir mit Reservierungen für Anfang Februar eigentlich schon zu spät dran).
Aber auch ohne Reservierung ist der Park einen Besuch wert. Viele Aussichtspunkte sind auch bei einer Tagestour zu erreichen.
Ferner ist es auf den Campingplätzen, die direkt an der Straße liegen, oft kein Problem einen Platz zu bekommen.


Links für die Reservierungen:

Tierra del Fuego (Feuerland) - Karukinka Nationalpark und unsere Reise ans Ende der Welt

Ruta del Fin del Mundo Richtung Norden

Nachdem wir im Hostel in Puerto Natales gemütlich gefrühstückt haben, fahren wir mit dem Bus bis Punta Arenas und holen dort gegen 15:30 Uhr unseren bereits gebuchten Mietwagen ab.
Wir folgen zunächst der Ruta del Fin del Mundo (Ruta 9) nach Norden, dann weiter auf der 255 und 257 Richtung Tierra del Fuego (Feuerland). Noch am Abend setzen wir bei Punta Delgada mit der Fähre über. (Die Fähre ist fast durchgehend in Betrieb. Wir warten ca. 30 min. Die Überfahrt (15000 CLP für ein Auto) dauert ca 20 min.)

Fähre nach Feuerland
Straße ins Nirgendwo

Gegen 21 Uhr erreichen wir Cerro Sombrero. Die Stadt wirkt im ersten Moment fast etwas unheimlich. Cerro Sombrero scheint fest in der Hand der ENAP zu sein. Vor gefühlt jedem, bewohnt erscheinenden Haus, steht der gleiche rote Pickup mit entsprechender Beschriftung des chilenischen Mineralölunternehmens. Im Dorfmittelpunkt steht ein großes Verwaltungsgebäude der ENAP (ein Bau, eher aus dem letzten Jahrhundert). Sonst scheint es hier nichts zu geben. Am Gemeindehaus finden wir öffentliche Toiletten (inkl. Duschen) in hervorragendem Zustand. Dahinter stehen bereits zwei Camper. Wir stellen uns dazu und übernachten der Einfachheit Halber im Auto.
Als wir am nächsten Morgen losfahren wollen, stellen wir erst einmal fest, dass das Auto zu wenig Kühlwasser anzeigt (später zeigte sich: Der Kühlwasserstand war nur am unteren Limit. Nach wenigen Minuten Betrieb ging die Anzeige immer aus. Wir hatten auch ohne weitere Handlung keine Probleme.)
Wir steuern die nächste Tankstelle an, lassen uns erklären, wo wir Kühlwasser bekommen könnten und Tanken. Als wir losfahren wollen, dann das nächste Problem: Die Batterie ist so leer, dass wir nicht wieder starten können. Sofort fährt jemand und holt ein Starthilfekabel. Das Auto läuft wieder!
Mit etwas weniger Vertrauen ins Auto, aber umso mehr in die Hilfsbereitschaft der Einheimischen, fahren wir weiter Richtung Süden.

Kurzer Abstecher zum Lago Blanco, kurz vor unserem Ziel

Nach ca. 1 Stunde biegen wir ab auf die Y-85. Mit der Kreuzung endet auch die geteerte Straße. Google Maps zeigt noch grob 150km bis zu dem Ort, an dem wir den Eingang des Karukinka Nationalparks vermuten. Wir fahren im Schnitt maximal noch 40-50km/h. Es regnet. Vor uns liegt eine nicht enden wollende Schotterpiste mit unzähligen mit Wasser gefüllten Schlaglöchern.
Nachdem die ersten 10 Tage unserer Reise einfach perfekt waren (oder vielleicht auch gerade deswegen), ist damit die Stimmung, angesichts der nicht endenden Autofahrt, kurzzeitig auf einem Tiefpunkt angelangt und wir überlegen, welche Alternativen wir noch für die nächsten Tage hätten.
Wir entscheiden weiter zu fahren. Wir folgen den Schildern Richtung Camerón, dann Richtung Vicuña. Es ist schließlich 16 Uhr, als wir endlich den Eingang des Nationalparks erreichen.

In Russfin (ca. 80km vor dem Park) gibt es im Hinterhof eines einsam gelegenen Sägewerks die letzte Möglichkeit zu Tanken. Diese sollte unbedingt wahrgenommen werden.

Endlich am Eingang!!

Einige Kilometer dahinter erreichen wir Vicuña. Hier stehen nur eine Handvoll Häuser der WCS, die den Park verwaltet. Direkt angeschlossen ist ein kleiner Zeltplatz, auf dem wir unser Zelt aufschlagen. Es gibt eine einfache, überdachte Kochstelle und ein geteiltes Badezimmer, sowie einige Domes, die, alternativ zum eigenen Zelt, gemietet werden können.
Alles ist sehr einfach gehalten. Anders als etwa im Torres del Paine, gibt es im Karukinka bislang noch kaum Infrastruktur. Der Park ist relativ neu. Er wurde 2004 an die WCS übergeben und wird von dieser gepflegt und aufgebaut.
Auch deshalb sind hier kaum Touristen unterwegs. Die wenigen, die mit uns auf dem Campingplatz sind, sind überwiegend Einheimische aus Santiago. Außerdem treffen wir einige Volunteers, die hier vor Ort, zusammen mit den Rangern, den Park aufbauen.
Alle sind sehr nett und aufgeschlossen und schnell haben wir eine Menge Tipps, was wir uns im Park ansehen sollten.
Bislang gibt es nur vier markierte Wanderrouten, eine Mehrtageswanderung und drei kleinere Rundwege (von 2 bis 4h) in der Nähe des Campingplatzes, von denen wir einen gegangen sind.

Beginn des Pietro Grande Rundwegs
Guanakos, immer wieder im Park zu sehen
Aussicht vom Gipfel des kleinen Berges, der beim Pietro Grande Rundweg erklommen wird
Oben sehen wir einige Condore

Am Morgen nach unserer Ankunft wurden wir vom Sonnenschein geweckt, es war nahezu windstill, schon ein bisschen Frühlingsgefühl.
Der Park ist schön und die strapaziöse Anfahrt vom Vortag war schnell vergessen.

Auf mehrfache Empfehlung hin, fahren wir heute die Y-85 weiter Richtung Süden. Die Landschaft soll traumhaft sein und am Ende der Straße soll uns ein nahezu “magischer” Ort erwarten.
Wir folgen also der Schotterstraße weiter in den Nationalpark hinein.

Die Landschaft wird wieder bergiger. Wir fahren Serpentinen auf und ab und halten immer mal wieder an, um Fotos zu machen.

Am Lago Cami (arg.: Lago Fagnano) gibt es noch einen weiteren Campingplatz, den wir uns aber nicht weiter angesehen haben. Außerdem kommen wir noch an zwei Logdes vorbei.
Nach ca. 100km Fahrt (ab Vicuña) sind wir am Lago Fagnano, wie er auf der argentinischen Seite genannt wird. Laut Google Maps endet die Straße hier.
Wir folgen der Beschilderung weiter in westlicher Richtung nach Caleta Maria (12km). Hier, an einer einsam gelegenen Estancia, endet der Weg schließlich. Vor uns liegt wieder das Meer. Wir sind da, am Ende der Welt!

Fin del camino y mundo y tiempo (Caleta Maria)

Wir verharren ein wenig, genießen Landschaft und Einsamkeit und tragen uns in das ausliegende Buch ein. Dann fahren wir wieder zurück zum Campingplatz.

Kurzes Fazit:

Der Park kann sicherlich landschaftlich nicht mit dem Torres del Paine mithalten, ist aber dennoch sehr schön und hat Potential für mehr. Hinsichtlich der vergleichsweise wenigen Besucher und der damit einhergehenden Einsamkeit, bietet er (im Gegensatz zum Torres) eher den Raum zum Entschleunigen und Entspannen.
Alles ist etwas urtümlicher und wir haben mehr Tiere gesehen, als in den anderen Nationalparks.


Die Rückfahrt vom Karukinka wird entspannter als die Anreise. Schließlich wissen wir nun, was uns erwartet und wir kennen den Weg. Zudem ist die Straße nicht mehr so aufgeweicht und auch das Vertrauen in den Weg und das Auto (mit seinen für deutsche Verhältnisse sicherlich zu weit abgefahrenen Reifen) ist größer geworden. Schließlich kommt es uns schon befremdlich vor, als wir kurz nach Camerón (und insgesamt fast 700km auf Schotter in den vergangenen Tagen) wieder auf die geteerte Ruta 257 abbiegen und das Auto bei ungewohnter Stille im Innenraum wieder auf 100km/h beschleunigen können.
Wir nehmen die gleiche Route wie auf dem Hinweg und verbringen die Nacht wieder auf dem Stellplatz in Cerro Sombrero.

Pali Aike National Park

Nachdem wir am Morgen von Bahia Azul mit der Fähre wieder das Festland erreichen, machen wir, vor der Weiterfahrt nach Punta Arenas, noch einen Abstecher in den Pali Aike Nationalpark. Er liegt etwa 40km nördlich von Punta Delgada, direkt an der argentinischen Grenze und hat nur eine größe von ca. 50km2.
Der Park ist Teil eines uralten Vulkanfeldes und bietet wiederum eine etwas andere Landschaft, als wir bislang auf unserer Reise erlebt haben.

Nach dem Besuch im Karukinka waren Guanakos keine Besonderheit mehr...
...aber hier haben wir auch Nandus gesehen

Am Eingang zahlen wir den Eintritt und bekommen einen Flyer mit Karte. Dann fahren wir in den Park. Es gibt 3 kleine Parkplätze, von denen aus man kleine Spaziergänge, aber auch zwei größere Wanderungen machen kann. Außer uns ist kaum jemand hier unterwegs.
Da wir um die Mittagszeit im Park sind, die Sonne von oben brennt (es gibt nichts Schattenspendendes hier) und der Wind extrem stark ist, verzichten wir auf eine längere Wanderung. Dennoch ein lohnenswerter Besuch des Parks.

Überall ragt vulkanisches Gestein aus dem Boden
Cráter Morada del Diablo aus der Ferne

Gegen Abend sind wir zurück in Punta Arenas. Wir nehmen noch einmal das gleiche Hostel, wie vor gut 2 Wochen bei unserer Ankunft in Chile.

Abreisetag

Da wir bis zu unserem Abflug noch etwas Zeit rumzubringen haben, besuchen wir am Morgen noch das Nao Victoria Museum in Punta Arenas.

Besuch des Nao Victoria Museums

Hier können Nachbauten berühmter Segelschiffe, wie zum Beispiel eines aus der Flotte Magellans, angeschaut werden. Beeindruckend unter welchen Bedingungen man damals auf See unterwegs war…

Den restlichen Tag verbringen wir größtenteils noch in verschiedenen Cafes, bevor wir dann am späten Abend ein Taxi zum Flughafen nehmen. Unser Flieger geht morgens um 6:20 Uhr…


Ein faszinierendes und spannendes Land mit tollen Menschen. Letztlich vergingen die 2,5 Wochen dann doch einfach viel zu schnell. Gerne wären wir, wie viele andere die wir getroffen haben, noch weiter in den argentinischen Teil Patagoniens gereist, hätten uns El Calafate und den Los Glaciares um den Fitz Roy angesehen und so vieles mehr…

Patagonien, wir kommen bestimmt wieder!


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